Neunzehnhundertachtundvierzig,
halb Berlin hängt an der Zitze
von Tante Ju und ihrem Dreiminutenpuls
wie Junkies an der Spritze,
wir heben ab und zu
raus nach Tempelhof,
steh’n Spalier am Flugfeld,
ohne Flug bestellt,
ohne Saat reiche Ernte
hinter Stacheldraht
tobt die Welt.

Neunzehnhundertachtundvierzig
haben sie ungelogen
Flugezeugbäuche voller Bäume
aus dem Westen eingeflogen.
Junges Grün,
junges Hoffen, denn das alte
war ja hin,
tödlich getroffen, verhökert, verheizt,
ohne Sinn,
verkohlt, versoffen, verdammt,
was sind wir gerannt,
haben wir uns ’ne Schippe geschnappt,
gegen die Löcher im Magen
fette Löcher in die frostige Tiergartenerde gegraben.

Neunzehnhundertachtundvierzig
haben wir uns gedacht man wird sich
unserer erinnern,
derer aus den Trümmern,
derer, die’s nicht besser wussten als sich halt zu kümmern,
mit neuzehn.

Hundert Jahre später
bretterst du mit achtundvierzig
Sachen durch die Stadt,
Siebzehnter Juni, herbstlich,
alle satt,
atmen
Berliner Luft
durch neue Schläuche
den Duft
aus hundert Flugzeugbäuchen
voller Bäume,
geschenkt,
junges Grün, junges Hoffen,
im Schatten: unsere Träume –
verdrängt.

Du bist
dir abhanden gekommen.
Wie konnte das nur passieren?

Wie willst du das erklären,
wenn sie kommen, um dich
zu befragen
über das Leben im Fleisch,
den Stern,
die bewegte Welt?

Wie? Was willst du
zu ihnen sagen
über den Konjunktiv
und seine zentrale Lage
im Kiez deines Verrats?

Wie konntest du
nicht?

Woher wissen, was wirklich zählt?
Und wie viel von dir braucht diese Welt?

Uralte Frage, die dich immer noch quält:
Wo stehst du, wenn dein Bruder fällt?

Und ist es seine Straße und seine Last,
die du trägst, weisst du je, was du selbst davon hast?

Manches weisst du nie, weil nie jemand sieht,
welche Kreise der Weg deiner Güte zieht.

Manches siehst du nie, obwohl es immer geschieht
und der Weg deiner Güte Kreise zieht.

(nach Art Reade, „The Travels of Goodness“)

Ein Segen liegt auf diesem Platz,
ein unverglichen großer Schatz.
Ein Heidegott in Wiederkehr,
so lange war er hier nicht mehr

Ein Blumensegen immerdar,
ein Lied, während ich überfahr’.
Ein großes Glück, ein leises Klingen,
ein tiefer Gruß, schüchternes Singen

Der Heidesegen auf dem Platz,
ein unverglichen großer Schatz.
Und hier sitzt Caspar, Schatzbewahrer,
Heidegott, froh, Himmelsfahrer!